Archiv für den Monat: Januar 2019

Newsletter Januar 2019: Pilot „Ganztagesschule“ startet 2020 und bei der Betreuung der „Jüngsten“ in der Tagesschule besteht Verbesserungspotenzial

Als Antwort auf eine Interpellation und weil die Erfüllungsfrist für das Pilotprojekt Ganztagesschule verlängert werden muss, hat der Gemeinderat Mitte Januar gegenüber dem Parlament Stellung bezogen zur Situation der Tagesschulen und zum Stand des Pilotprojekts. Wir haben die Antworten und Zahlen des Gemeinderats analysiert und fassen hier aus der Sicht des Elternkomitees das Wichtigste zusammen.

Pilotprojekt Ganztagesschule nimmt Konturen an – Eltern und Kinder sind aber nur beschränkt einbezogen
Die Umsetzung des Pilotprojekts Ganztagesschule wird im Sommer 2020 in Wabern starten. Es soll im Neubauprojekt “Zündhölzli” vor dem Dorfschulhaus in Wabern einquartiert werden. Wabern habe laut Gemeinderat als einzige Schule Interesse am Pilotprojekt gezeigt.

Die Projektorganisation sieht eine Projektsteuerung, ein Projektleitungsteam und eine Begleitgruppe vor. Gemäss Gemeinderat ist die Begleitgruppe zurzeit an der Erarbeitung des Feinkonzepts. Der Elternrat Wabern hat gemäss Projektskizze in der Begleitgruppe Einsitz. Im Sommer 2019 soll der Gemeinderat einen Grundsatzentscheid fällen. Für Herbst 2019 ist eine Elternumfrage hinsichtlich des Bedarfs geplant.

Es ist ein positives Signal, dass die Entwicklung eines Konzepts an die Hand genommen wird, denn aus unserer Sicht braucht es neue Ansätze und Konzepte, um die Tagesschulen weiterzuentwickeln. Der Pilot kann und soll auch dem „herkömmlichen“ modularen Tagesschulangebot wichtige Impulse geben.

Gemäss Gemeinderat wird das Projekt nach dem Ansatz „Betroffene zu Beteiligten machen“ konzipiert. Wir haben Bedenken, ob der vorgeschlagene Prozess diesem Ansatz wirklich gerecht wird: Wie werden die Kinder einbezogen? Wie Sport- und andere Freizeitvereine, Kinder- und Jugendarbeit sowie Musikschule, die alle ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur „Bildungslandschaft“ in Köniz leisten und betroffen sein werden von diesem neuen Angebot?

Als Elternkomitee liegt uns vor allem der Einbezug der Eltern am Herzen. Es ist erfreulich, dass der Elternrat Wabern in der Begleitgruppe vertreten ist. Aus unserer Sicht ist dieses Pilotprojekt jedoch eine Angelegenheit, die ganz Köniz betrifft. Wer darf also an diesem Schulversuch teilnehmen? Nur Familien aus Wabern oder aus der ganzen Gemeinde? Wir plädieren für eine breitere Debatte über das Zukunftsmodell „Könizer Ganztagesschule“.  Als Elternkomitee werden wir „bottom up“ einen konkreten Beitrag zu dieser Debatte leisten.

Die Betreuung der Kindergartenkinder muss sich verbessern
Die Hälfte der Kinder, die ein Tagesschulangebot besuchen, sind im Kindergartenalter und damit erst 4 – 5 Jahre alt. Das Bedürfnis nach Betreuung ist also – wenig überraschend – für die jüngsten Kinder am grössten. Diese Kinder brauchen andere Rahmenbedingungen als die älteren Kinder.

Dies sieht auch der Gemeinderat so. Er schreibt: “Kinder – vor allem die Jüngsten – brauchen eine «ganzheitliche» Betreuung. Das heisst, dass die Bezugspersonen, die Räume und auch die Umgebung nicht ständig gewechselt werden sollten. Dazu braucht es auch «ruhige Ecken», in die sich die Kinder bei Bedarf zurückziehen können.” Er ortet bei diesem Punkt bei einigen Tagesschulen noch ein gewisses Manko.

Die Erkenntnis ist vorhanden, nun geht es darum, die Rahmenbedingungen für die jüngsten Kinder zu verbessern, wie wir es auch in unserer Petition gefordert haben. Genau dafür braucht es neue Konzepte und Ideen, wie eine möglichst “ganzheitliche” Betreuung gewährleistet werden kann.

Das gemeinsame Mittagessen wird zur Normalität
Die Mittagsmodule – also das gemeinsame Mittagessen in der Schule – ist ungebrochen beliebt. Die Anmeldezahlen nehmen bei allen Alterskategorien zu, wie der Bericht des Gemeinderats zeigt. Gerade hier stösst die aktuelle Infrastruktur an ihre Grenzen. Denn unsere Schulhäuser wurden in einer Zeit gebaut, als gemeinsames Mittagessen an den Schulen kein Thema war.

Der Gemeinderat schreibt klar: “Wenn Engpässe entstehen, dann betrifft dies vor allem den Raumbedarf über die Mittagszeiten.” Räume ausserhalb der Schulen werden denn auch hauptsächlich fürs Mittagessen zugemietet (Bspw. im Restaurant Steinhölzli, im Chalet Bernau, in der Heiteren Fahne, im Kirchgemeindehaus und bei der Heilsarmee).

Auch dort wo Räume der Schule genutzt werden, kann es zu Engpässen kommen. An einzelnen Standorten kommt es wegen dem Auf- und Abbau des Mittagstischs in den multifunktional genutzten Räumen wegen der anderweitigen Nutzung durch die Schule zu zeitlich stressigen Situationen.

Das Mittagessen wird also immer mehr zum selbstverständlichen Teil des Schulalltags. Genau so selbstverständlich muss die dazugehörige Infrastruktur in Zukunft mitgeplant werden. Schulhäuser brauchen nicht nur Turnhallen, sie brauchen auch Küchen und Räume, die eine gewisse Lärmdämmung haben und sich zum gemeinsamen Essen eignen.

Der Raum ist knapp
Ganz grundsätzlich müssen die Raumbedürfnisse für Bildung und Betreuung in die neue Schulinfrastruktur einfliessen. Dies werde heute bei Neubauprojekten gemacht, schreibt der Gemeinderat. Trotzdem gebe es aktuell in Wabern, Schliern, Spiegel und Buchsee noch räumliche Engpässe. Aktuell plant der Gemeinderat an folgenden Standorten Anpassungen der Tagesschul-Infrastruktur:

  • Wangental: Schulhaus Ried
  • Wabern: Projekt «Zündhölzli», Erweiterung Morillon, Nesslern
  • Spiegel: Um- und Neubauprojekt
  • Schliern: Altes Schulhaus

Es ist positiv (und erst seit wenigen Jahren üblich), dass der Gemeinderat bei Neubauprojekten auch die Bedürfnisse der Tagesschulen mit einbezieht. Trotzdem ist bereits absehbar, dass es auf unbestimmte Zeit an verschiedenen Standorten wieder an Raum mangeln wird.

Deshalb braucht es allseits den Willen, dauerhafte Lösungen für eine ganzheitliche Betreuung zu finden, die für die Kinder, die Mitarbeitenden und auch die Eltern im Alltag funktionieren.

Links:
Zwischenbericht des Gemeinderats zur Motion Ganztagesschule von Markus Willi (SP)
Antwort des Gemeinderats auf die Interpellation von Tanja Bauer (SP)
Antwort auf die Idee der SVP, beim pädagogischen Personal der Tagesschulen zu kürzen

Haben Sie Interesse an einer Mitarbeit im Elternkomitee? Dann melden Sie sich doch bei uns unter pro-tagesschulen-koeniz@bluewin.ch.

Herzliche Grüsse

Elternkomitee „Pro Tagesschulen Köniz“

SVP möchte beim Tagesschulpersonal sparen

Die SVP Köniz verlangt vom Gemeinderat mit einer Motion, das pädagogische Personal in den Tageschulen bis 2022 schrittweise auf unter 50% zu senken. Der Gemeinderat lehnt die Motion ab, kann sich aber eine flexible Bandbreite von 55 – 60% vorstellen. Das Parlament berät das Geschäft am 18.01.2019.

Für das Elternkommitee kommt eine Senkung unter die Mindestanforderung des Kantons Bern von 50% pädagogisch geschultem Personal nicht in Frage. Potenzial sehen wir bei der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren (z.B. Jugendarbeit, Musikschule, Eltern etc.)

Motion der SVP
Merkblatt Kanton Bern zum pädagogischen Personal